Allgemein · Motivation

Habe ich eine Essstörung? Teil 2

fullsizeoutput_153Hallo meine Lieben,

Dies ist der 2. von 3 Teilen aus meiner „Essstörung/Fressanfälle“ Reihe. Wenn du den 1. noch nicht gelesen hast, dann solltest du es vorher hier nachholen.

Nun die Frage die sich stellt ist doch „was ist eigentlich eine Essstörung“ ich lasse hier jetzt bewusst eine stumpfe Definition, die sich jeder auch selbständig bei Google durchlesen kann außen vor und schildere nur meine persönliche Auffassung. Ich denke das im Grunde viel mehr Menschen eine Essstörung haben, als sie sich selbst bewusst sind. Was bedeutet das Wort Essstörung? Gliedert man es auseinander, ist es eine Störung beim eigenen Essverhalten. Die Frage die ich mir da stelle ist, wo fängt eine Störung an und wo hört diese auf? Ist es bereits eine Störung wenn man zwanghaft alles abwiegt und jede einzelne Mahlzeit in einer App einträgt? Ist das „normal“? Oder ist es immer „nur“ eine Störung, wenn man auf Essen verzichten, sich erbricht oder viel zu viel jeden Tag isst? Ich möchte damit auf keinen Fall sagen, dass jeder Mensch, der auf sein Essen achtet gleichzeitig eine Essstörung hat. Die Frage ist jedoch in welchem Bezug jeder Mensch zum Thema Essen steht. Ist es ein Ventil? Ist es ein Thema, mit dem man sich überdurchschnittlich viel beschäftigt? Ist es dann eine Störung? Ich denke das ist so, wie mit vielen Dingen im Psychiatrischen Bereich, es ist immer eine individuelle Sache, die man dann von Fall zu Fall näher betrachten muss.

Muss man dem Kind denn immer einen Namen geben? Ich weiß noch als ich mit Instagram begann, kam gerade dieser „Trend“ wo viele sich öffentlich zu ihrer Essstörung bekannt haben. Ob ich das gut oder schlecht finde, möchte ich hier garnicht beurteilen. Jedenfalls hätte ich auch sagen können „ich leider unter Adipositas und habe Fressanfälle“. Das Ganze könnte man dann unter dem Oberbegriff „Binge-Eating“ zusammenfassen. Für mich war das aber nie ein Thema. Denn ich denke, dass es mehr als offensichtlich ist, dass wenn jemand mal über 150kg gewogen hat, dass dieser Mensch ein gestörtes Essverhalten hat. Ich wollte mich damit nicht noch einmal gesondert in den Mittelpunkt stellen, da für mich klar war was ich habe. Ich wollte kein Mitleid, sondern viel mehr das Thema hinter mir lassen und euch zeigen was man alles schaffen kann, wenn man es nur wirklich will.

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Aber ja. Vermutlich habe ich eine Essstörung. Sie wurde zwar nie diagnostiziert, aber ich denke dass es mehr als offensichtlich ist. Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich, wie kam es dazu? Naja ich war nie ein schlankes Mädchen, immer moppelig bis übergewichtig. Es fing damit schon damals an, dass wenn ich traurig war oder irgendetwas passiert ist, meine Eltern mir gerne Süßigkeiten gaben (ich möchte an dieser Stelle ihnen aber keine Schuld dafür geben, es war nur der erste Schritt in die falsche Richtung). Dann lernt man mit der Zeit als Kind, dass Essen ein kurzer Trost sein kann. Wenn die Eltern dann merken, wie das eigene Kind immer mehr zunimmt, ist das bestimmt nicht leicht, da dann „streng“ und konsequent zu sein. Ich habe dann irgendwann angefangen heimlich zu essen. Damals wohnten wir noch über meinen Großeltern. Ich habe dann eine Zeit lange doppelt zu Mittag gegessen, ohne das die jeweilige Partei davon wusste. Oma wusste nicht, dass ich danach noch bei Mama essen werde und umgekehrt. Wieso habe ich das als kleines Mädchen gemacht? Wieso habe ich kein Ventil in anderen Dingen gefunden? Ich war zwar immer ein offenes Mädchen mit Freundinnen, habe damit aber trotzdem einiges anscheinend kompensieren wollen. Was genau, dann müsste ich näher auf meine Kindheit eingehen, was hier einfach nicht hingehört.

Dieses gestörte Essverhalten gehört dann irgendwann zum Leben dazu. Als Jugendliche hatte ich dann sogar mal eine Zeit (darüber habe ich vorher nur mit meinem Exfreund geredet), in der ich mich nach dem Essen übergab. Ich denke rückblickend, dass ich da für mich realisiert habe was da schief läuft und wollte auch nur so schön sein wie die anderen. Ich wollte auch begehrt werden und vermutlich wollte ich einfach dafür geliebt werden was ich bin. Naja aber das dies der absolut falsche Weg ist, muss ich euch natürlich nicht sagen.

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Mit 18 ist dann alles noch einmal um einiges schlimmer geworden. Ich weiss garnicht was ich davor gewogen habe, jedenfalls definitiv unter 100kg! Zu dieser Zeit musste ich einige schlimme Schicksalsschläge durchleben und verkraften. Das war eine unfassbar schwere und sehr prägende Zeit für mich. Ich habe zu meinen erlernten und alt bewehrten Mitteln gegriffen und unbewusst immer mehr zugenommen. So viel, dass ich im Jahr 2013 über 150kg auf die Waage brachte. (Wieviel genau kann ich nicht sagen, da die Waage nur bis 150 ging..). Das war dann sozusagen mein persönlicher Höhepunkt, wenn man es sarkastisch ausdrücken möchte.

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Ich habe selbst daraus gefunden. Wie ich das angestellt habe, werde ich euch im 3. Teil gerne erzählen.

Das alles ist ein sehr sensibles und schwieriges Thema. Zudem habe ich mich für den hiesigen Blogpost noch einmal mehr geöffnet. Ich tue das nur mit dem Zweck, euch zu zeigen, dass ich nicht „perfekt“ bin. Das ich ein Mädchen mit vielen Problemen bin. Aber mit einer Kraft, die ich mir selbst immer wieder aufbaue. Rückschläge wie zu beginn des Jahres (lese hier nach) gehören absolut dazu. Ich denke ich mache mich durch das Ansprechen einer solchen persönlichen Thematik potentiell angreifbar. Ich bin aber eine Bloggerin, die transparent sein möchte. Das alles hier soll sich nicht nur um gesponserte Werbung handeln, sondern um das echte Leben, welches ich nun einmal führe. Und wie schon im letzten Teil geäußert, wenn ich damit jemanden helfen kann, teile ich gerne meine Geschichte.

Ich freue mich auch hier wieder wahnsinnig auf eure Kommentare. Bleibt stark.

Eure Sarah.

 

8 Kommentare zu „Habe ich eine Essstörung? Teil 2

  1. Du sprichst mir zu 100% aus der Seele.
    Essen als Ventil bis zum heutigen Tag genutzt, das ist das Problem.
    Aber ich habe ein Ziel vor Augen: bei der Hochzeit meiner Schwester im August 2017 möchte ich ein Kleid tragen, in dem ich mich wohlfühle☺️

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  2. Hallo liebe Sarah, du bist so eine tolle Persönlichkeit und gibst anderen Menschen Mut, sich so zu akzeptieren wie man ist❤️ Ich habe noch einen sehr langen Weg vor mir, um mich endlich zu akzeptieren und mich nicht mehr mit anderen zu vergleichen. Aber ich denke, dass es irgendwann so sein wird. Was ich aber sagen möchte: Du bist super sympathisch und normal. Bleib so wie du bist😊 Vielleicht gibt es ja mal die Möglichkeit dich irgendwo zu treffen. Ich wäre direkt dabei😊 Aller liebste Grüße Steffi.

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