Allgemein · Motivation

Fressattacken, Binge eating, Esstörungen- was ist das eigentlich? (Teil 1)

Hallo meine Lieben

Das folgende Thema ist ein sehr ernstes Thema. Ich möchte deutlich vorher sagen, dass ich keine Ärztin/Psychologin bin, nur eine Krankenschwester die von ihren eigenen Erfahrungen berichten möchte, um euch im Idealfall etwas helfen zu können. Es wird 3 Teile geben, weil einer den Rahmen definitiv sprengen würde. Hier beschreibe ich  die ganze Thematik recht allgemein und sehr ehrlich, im 2. Teil berichte ich euch von meinen Erfahrungen und im 3. werde ich einige Hilfemaßnahmen bereitstellen.

Wer von euch kennt diese innere Stimme die sagt „iss was“..und das in großen, ungesunden Mengen? Ich spreche nicht davon, wenn man sich gezielt mal etwas gönnt, mal über den Hunger isst- Nein. Ich spreche davon, dass einen diese „Stimme“ so übermannt, dass man dem zwingend nachkommen muss, obwohl man weiß dass es einem nicht gut tut, dass man vielleicht sogar schon satt ist.

Ich könnte euch jetzt so random Facts aufzählen, die euch helfen sollen nicht irgendetwas ungesundes zu essen. Oder wer hat das Ganze nicht schon mindestens 10 mal selbst gegooglet und ist auf die folgenden Tipps gekommen:

  • trinke viel Wasser
  • putz dir die Zähne, wenn du Lust bekommst
  • kau ein Kaugummi
  • lenk dich ab

Und so viele mehr. Ich möchte diese Tipps garnicht abwerten! Wenn sie euch helfen, dann finde ich das in erste Linie natürlich super! Die Frage die du dir aber stellen solltest ist, wieso hast du das Verlangen mehr zu essen? Warum vernachlässigst du deinen Körper so stark, dass du nur noch nach der Stimme handeln kannst?

Wer kennt es? Man geht dann „heimlich“ durch einen Supermarkt, legt alles in den Wagen, was irgendwie nur geht und spätestens an der Kasse ist es einem total unangenehm. Aber egal, dass hält einen nicht weiter auf, solange man den Gang zur Kasse und die abschätzenden Blicke der Kassiererin und der anderen Kunden ertragen hat, geht es schnell nach Hause. Spätestens hier fängt es an, dass tolle Gefühl der absoluten Euphorie macht sich breit.

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Man freut sich total endlich zuhause zu sein und versucht dann dort (falls man nicht alleine wohnt) die erbeuteten Dinge möglichst unauffällig in sein Zimmer zu bringen. Spätestens hier ist dann alles auf 0 geschaltet. Man denkt überhaupt nicht mehr nach und lässt sich nur noch treiben. Zu Beginn geniesst man noch jeden Bissen (obwohl dieser in den meisten Fällen eher einem Schlingen nachkommen).

Spätestens bei der letzten Sache die man isst, kommt das Gefühl von Selbsthass in einem hoch. Man fängt an, schnell die Verpackungen wegzuschmeißen, möchte alle „Spuren“ so schnell wie möglich verstecken, noch nicht einmal nur wegen möglichen Mitbewohnern, sondern primär vor sich selbst. Man kann sich das selbst danach einfach nicht mehr ansehen.

Wenn jetzt ein Gefühl von Scham in dir hochkommt, du dich angesprochen fühlst, dann spreche ich dir vermutlich aus der Seele und spreche den Punkt an, der im Grunde ganz alleine dir gehört. Es ist dein kleines Geheimnis, was du sogar vor dir selbst geheim hält, oder lügst du dich nicht jedes Mal aufs neue selbst an?

Das gleiche Szenario kann man auf viele andere Situationen übertragen. Wie zum Beispiel, wenn man an den Kühlschrank geht, alles mögliche daraus nimmt (auch wenn hier unästhetische Mischungen zu Stande kommen) und diese in sich reinschlingt. Oder man bestellt viel Essen zu sich nach Hause, dann so tut als ob noch jemand, oder besser noch, eine ganze Gruppe im Wohnzimmer auf das bestellte Essen warten würden, während du an der Türe bist, damit der Lieferant bloß nicht auf die Idee kommt, die ganzen Sachen, die du vermutlich noch nicht einmal mit einem Mal tragen annehmen kannst, für dich allein sein sollten. Es gibt leider viel zu viele solcher Szenarien, die ich euch beschreiben könnte.

Die Frage die sich jetzt viele stellen werden ist: Wieso macht man das? Das ganze ist doch

  1. absolut schädlich für den Körper
  2. mindestens genauso schädlich für die Seele
  3. unfassbar teuer auf Dauer
  4. total isolierend. Man belügt andere, belügt sich selbst und ist viel alleine.

Es gibt nicht „DEN“ Grund wieso sich so viele Mädels und Jungs da draussen selbst zerstören. In der Regel ist es total individuell. Aber was passiert? In den meisten Fällen geht es einem vor und während der Fressattacke sehr schlecht. So schlecht, dass man etwas dagegen tun möchte und muss. Vielleicht sagt jetzt jemand, ja dann ruf doch ne Freundin an, red mit ihr über deine Probleme, geh nach draussen, lenk dich ab,…

Wenn das alles so einfach wäre, gäbe es vermutlich keine essgestörten Menschen da draussen. Auf Grund der vielen, persönlichen Nachrichten die mich immer wieder von euch erreichen weiß ich, dass auch einige meiner Follower betroffen sind. Das alles ist sehr ernst und meist totgeschwiegen. Sicher ist jedoch, dass eine Essstörung-egal welche, immer einen psychologischen Hintergrund hat. Man hat mit der Zeit gelernt, dass Essen ein kurzer Trost sein kann. Und auch wenn jeder Betroffene vermutlich weiß, dass dieses Verhalten alles andere als gut ist, schafft man einfach nicht diesen Kreislauf zu unterbrechen.

Man kann diese Krankheit/Störung nicht in einem Satz erklären, genauso wenig wie man erklären kann, wie man damit aufhört. Ich persönlich gehe sogar einen Schritt weiter und definiere das Ganze als Sucht.

Aber auch Süchte kann man durchbrechen. Auch jedes fest angeeignete Verhalten kann man wieder umpolen. Jedes Leben kann man ändern. Dafür ist es nie zu spät! Denn das Leben ist zum leben da, wie schon Casper rappte. Und wenn wir uns in einer Sache einig sind dann, dass ein solches Leben absolut an Qualität abnimmt, wenn der Alltag irgendwann nur noch durchs Essen bestimmt wird.

Ich hoffe dieser erste, sehr ehrliche Blogpost über dieses Thema hat euch gefallen? Im 2. welcher kommende online kommt, werde ich euch meine Geschichte erzählen. Ich bin mir sicher, dass es jeder schaffen kann. Nicht von heut auf morgen und vor allem nicht ohne einen Eimer voller Tränen. Aber wenn ich nur einem im Ansatz da draussen helfen kann, dann hat es sich mehr als nur gelohnt, den Samstag Nachmittag am Laptop zu sitzen und diesen Artikel für euch zu schreiben.

Ich freue mich besonders hier auf einen Kommentar von dir. Egal ob du etwas von dir mitteilen möchtest, oder eine Kritik/Anregung los werden möchtest- ich freue mich sehr.

Eure Sarah

27 Kommentare zu „Fressattacken, Binge eating, Esstörungen- was ist das eigentlich? (Teil 1)

  1. Toll geschrieben, die direkten Ansprachen gefallen mir besonders.
    Sarah, dein Blog war eine wunderbare Idee und wird ganz sicher vielen Menschen weiterhelfen, mach weiter so 💕

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  2. Ich bin schon sehr gespannt auf Teil 2, und ja teilweise kenne ich diese Situationen und Fresssucht kenne ich von mir auch. Mal ist Tagelang alles super und unter Kontrolle und dann hab ich wieder ein paar Tage in denen ich die Küche nach essbarem absuche. Und später frage ich mich warum ich das mache. Vllt hilft mir dein Beitrag das besser zu verstehen. Lg

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  3. Normalerweise bin ich eher die Stille Mitleserin aber das hast du wirklich gut geschrieben. Dieses Thema wird totgeschwiegen und viele können überhaupt nicht nachvollziehen wie es ist in so einer Situation zu stecken.

    Es ist schwer ganz ehrlich zu sich zu sein und es ist Sau viel Arbeit den Grund für diese Verhaltensarten erstmal überhaupt herauszufinden und dann zu verändern!

    Sehr schön!

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  4. Liebe Sarah,

    Danke für deinen Beitrag. Ich habe mittlerweile 4 Jahre Dauerdiät hinter mir (Weight Watchers und Kalorien zählen). Grundsätzlich muss ich jedoch sagen, dass ich noch nie in meinem Leben ein wirklich normales Essverhalten hatte. Seit der Grundschule hatte ich immer Angst, zu dick zu sein. Ich wurde dann auch automatisch pummelig, denn ich nutzte Essen zum Ausgleich von Emotionen, gegen Langeweile etc. Auch Essanfälle begleiteten mich lange. Anfangs nahm ich gut ab mit WW aber über die Jahre entwickelte es sich für mich zum Zwang. Mein Gewicht schwankt seit 3 Jahren zwischen 75kg und 83kg (auf 1,69m) und ich kenne nur noch strenges Einschränken oder hemmlungsloses Vollstopfen. Mein ganzes Denken dreht sich um meine Ernährung, ich definiere mich über die Anzahl der Kalorien, die ich gegessen habe und mache mich fertig, wenn ich es nicht schaffe. Ich kannte nur noch Scham, schlechtes Gewissen und das Gefühl, ein Versager zu sein. Gestern habe ich mich spontan bei WW abgemeldet und alle Apps zum Kalorienzählen und Gewicht tracken gelöscht. Ich habe beschlossen, es ab nun mit intuitivem Essen zu probieren. Ich möchte nicht mehr nur über Essen nachdenken müssen,ich möchte ein normales Verhältnis zu den Lebensmitteln haben. Nichts in gut und böse Einteilen, kein permanent schlechtes Gewissen. Natürlich würde ich gerne noch etwas abnehmen, aber das ist jetzt nicht mehr mein primäres Ziel. Mein Ziel ist es, ich psychisch wieder gut zu fühlen. Ich bin 24 Jahre alt und habe vor einer Woche einen Tinnitus bekommen. Er hat mir die Augen geöffnet und mich über mein Leben nachdenken lassen. Ich muss an vielen Bereichen arbeiten (Uni, Privates und eben auch Ernährung) und den Stress raus nehmen. Ich musste 10 Tage lang Kortison nehmen und fing automatisch an zu fressen nachdem ich mich vorher wieder wochenlang mehr oder weniger erfolgreich gegeißelt hatte. Jetzt denke ich, dass das Medikament eine gut gelegene Ausrede für mich war, dem Heißhunger nachzugeben. Dieser kommt laut dem Intuitiven Essen aber erst daher, dass man sich konsequent diese Dinge verbietet. Intuitives Essen sagt dir, dass du essen sollst wenn du HUNGER hast und worauf du Hunger hast. Wenn du also Hunger auf Pizza hast, iss Pizza. Aber nur bis du angenehm satt bist. Und weil du theoretisch am nächsten Tag wieder Pizza essen dürftest, musst du auch nicht auf Gedeih und Verderb die ganze Pizza in dich reinstopfen. Dadurch sollen viele Lebensmittel ihren Reiz verlieren. Anfangs soll man bewusst den Gelüsten nachgeben, da sie sich dadurch von alleine regeln sollen. Dadurch das man immer naschen dürfte, muss man es nicht mehr andauernd. Das alles ist natürlich viiiel leichter gesagt als getan und es ist wahrscheinlich ein lebenslanger Prozess. Aber ich denke, das ist es wert wenn man dadurch doch so viel mehr Lebensqualität gewinnt. Ein Effekt soll dabei auch sein, dass sich das Gewicht ganz langsam einpendelt. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich das alles entwickeln wird 🙂

    Ich finde es jedenfalls super, dass du so offen mit diesem schwierigen Thema umgehst. In unserer Gesellschaft wird das so oft totgeschwiegen und ich habe das Gefühl, dass übergewichtige Menschen oft für ihre Sucht verurteilt werden. Dabei ist es eine Sucht wie jede andere und nicht einfach mangelnde Disziplin.

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  5. Du sprichst mir aus der Seele – kenne ich sehr gut! Nur reden kann ich irgendwie mit niemandem darüber, weil ich mich schäme. Ich freue mich auf die weiteren Teile – hoffe sie helfen mir. 🙂

    Übrigens richtig toller Blog!

    Ganz viel Liebe aus der Schweiz.❤

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  6. Ich bin 100% überzeugt von deinem Instagramaccount, dem was du auf Snapchat zeigst und damit wie du versuchst auf diesen Wegen uns deine Message zu vermitteln.. ich war ehrlich gesagt etwas kritisch ob du genug Themen finden wirst, die zu „deinem Stil“ passen oder ob es nachher so 0815 Blogeinträge werden die ich mir auch wo anders hätte durchlesen können (praktisch genau wie du es oben beschrieben hast mit den Tipps gegen Heißhunger). Aber nein, mit diesem Beitrag hast du mich zu 100% überzeugt, dass du hier genauso viel Liebe reinsteckst und mit Bedacht Themen auswählst die einfach ehrlich, natürlich und wahr sind. Danke dafür! Du bist ein toller Mensch und hast, meiner Meinung nach, jede Mögliche Unterstützung verdient, die es gibt! Danke, dass es dich gibt, du zauberst einem immer wieder ein Lächeln ins Gesicht.

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  7. Hallo , dein Blog spiegelt genau das was gerade in mir vor geht …
    Danke für deinen ehrlichen Worte !
    Du kannst verdammt stolz auf dich sein ! ❤❤❤
    Bleibt so , wie du bist !

    Liebe grüße Laura ❤

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  8. Liebe Sarah
    Bereits nach den ersten Worten deines Beitrages hatte ich Tränen in den Augen. Tränen, weil ich mich so sehr in diesen Sätzen wiedererkannt habe, wie es mir vorher noch nie passiert ist. Ich hatte noch nie wirklich auf Dauer ein „normales“ Essverhalten. Als Kind und Jugendliche war ich schon immer dick und hatte es dennoch geschafft 2015 gesund 20 Kilo abzunehmen und mich endlich wohl fühlen zu können auch wenn ich nach wievor nicht eine 38 passte. 2016 kam der große Einbruch. Mein Essverhalten driftete unaufhörlich in die Richtung wie du sie beschreibst und seit all diesen Monaten voller Selbszweifel, Hass und Hoffnungslosigkeit fühl ich mich zum ersten mal richtig verstanden. Deine Worte machen mir so viel Wut das ich hoffe, irgenwann wieder ein gesundes Verhältnis zum Essen aufbauen zu können und das der Gedanke ans Essen nicht länger meinen ganzen Alltag bestimmt. DANKE FÜR DIESE WORTE

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  9. Wow, so so so schön geschrieben! Ich hatte Tränen in den Augen. Ganz viel Respekt an dich, du kannst verdammt stolz auf dich sein! Ich verfolge dich schon seeehr lange auf Instragram & Snapchat & kann dich wirklich nur bewundern! Danke für diese ehrlichen Worte ❤❤

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  10. Liebe Sarah,
    Danke für deine ehrlichen Worte! Ich kenne solche Attacken persönlich nicht und weiß jetzt, dass mein Problem irgendwo anders liegen muss! Toll, dass du es so detailliert beschrieben hast und man so von dir lernen kann!

    Viele Grüße,

    Sabrina

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  11. Vielen lieben Dank für diesen Beitrag!

    Als Betroffene kenne ich die beschriebenen Situationen sehr gut. Ich kenne beide Seiten der Medaille, bin an Magersucht und Binge Eating erkrankt. Beides sind einfach nur furchtbar schreckliche Krankheiten!

    Mich macht es immer sehr traurig, dass Binge Eating selten Aufmerksamkeit bekomnmt, wenn von Essstörungen die Rede ist, stellen sich die Menschen kotzende Klappergestelle vor. Dabei sind Fressanfälle mindestens genauso gefährlich!

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